„Reformation ist sehr in der Vergangenheit geblieben“

Mit dem 31. Oktober 2017 endete das Reformationsjubiläum – auf dem Papier. Aber wie setzt sich die Veränderung in den Köpfen und auf den Festplatten der Beteiligten fort? Eine Auswahl der auf „Mensch, Martin!“ Porträtierten schildert hier ihr Luther-Fazit, was bleibt und wie es  weitergeht. Kevin Beier (21) aus Fulda begleitete als Freiwilliger den Europäischen Stationentruck und konnte sich ein Bild davon machen, wie Reformation in anderen Ländern wirkt. Er bemerkte jedoch auch: Das Jubiläum hing häufig zu stark am historischen Ereignis.

Wie hast Du den 31. Oktober 2017 verbracht?
Kevin Beier: Ich habe nichts Besonderes unternommen und bin den Tag einfach ruhig angegangen.

Mit dem Reformationstag ist das Lutherjahr offiziell beendet. Hast Du das Gefühl, die Menschen um Dich sind erleichtert – weil „satt“ – oder bedauern sie es? Wie geht es Dir selbst damit?
Ich habe einerseits das Gefühl, das Thema Reformation ist sehr in der Vergangenheit geblieben. Das haben auch viele bedauert. Auf der anderen Seite ist mit dem Reformationsjubiläum neue Bewegung in die Kirche gekommen. Einen großen Anteil daran hatten meiner Meinung nach die Konfi- und Jugendcamps.

Was hat Dein Freiwilligendienst in Deinem Leben verändert?
Mein Einsatz hat mich im Vergleich zu meiner vorherigen Arbeit als Steuerfachangestellter an vielen Stellen neu herausgefordert. Sowohl auf der persönlichen Ebene als auch in meinem theologischen Verständnis bin ich um einiges gewachsen. Wir haben als Volunteers viele einzigartige Erfahrungen gesammelt, die nur durch den Europäischen Stationenweg oder die Konficamps möglich waren. Für mich ist nach dem Jahr definitiv klar, dass Europa zusammengehört und dass uns mehr eint als trennt.

Wie geht es für Dich weiter?
Seit September 2017 bin ich in der Ausbildung zum Erzieher und Jugendreferenten am CVJM-Kolleg in Kassel. Mit in meine künftige Arbeit nehme ich auf jeden Fall die auf der persönlichen Ebene gemachten Erfahrungen.

Was würdest Du Dir wünschen, dass die Gesellschaft an Veränderungspotential aus 2017 erhält und fortführt?
Ich wünsche mir, dass Kirche mehr auf die relevanten Lebensfragen von Menschen in der Gesellschaft eingeht. Predigten und Inhalte des Konfirmandenunterrichts gehen viel zu oft an der Lebensrealität vorbei. Das Jubiläum 2017 hat der Kirche meine ich gezeigt, wo ihre momentanen Stärken, aber auch ihre Schwächen liegen. Beides sollte sie reflektierten und zu ihrer Arbeitsgrundlage für die Zukunft machen. Erst danach kann für die Gesellschaft relevantes Veränderungspotential entstehen.

Der Reformationstag war 2017 erstmals ein bundesweiter Feiertag. Alle hatten frei. Die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland (aej) fordert, das so beizubehalten. Was meinst Du dazu?
Die Reformation hat nicht nur viel zur kirchlichen Entwicklung beigetragen, sondern auch zur Entwicklung des deutschen Schriftbilds und unseres Bildungssystems. Martin Luther und seine Mitarbeiter haben mit der Bibelübersetzung auf jeden Fall einen großen Beitrag zur Entstehung der deutschen Schriftsprache geleistet. In Slowenien ist der 31. Oktober wegen der Begründung der slowenischen Schriftsprache durch den Reformator Primož Trubar schon lange ein Feiertag. Ich spreche mich deshalb nicht nur wegen des Antrags der aej, sondern auch persönlich für die Einführung eines festen Reformationsfeiertags aus.

Fotos: Privat / r2017, Video: Kai Rolf

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