Ein fester Feiertag erklärt noch kein Fest

Mit dem 31. Oktober 2017 endete das Reformationsjubiläum – auf dem Papier. Aber wie setzt sich die Veränderung in den Köpfen und auf den Festplatten der Beteiligten fort? Eine Auswahl der auf „Mensch, Martin!“ Porträtierten schildert hier ihr Luther-Fazit, was bleibt und wie es weitergeht. Der junge Treff nebenan in Wittenberg, der im Lutherjahr eröffnete, hält die Stellung, muss sich aber 2018 neu erfinden. Eine Herausforderung, die Projektchefin Maike Fiedelak sportlich nimmt. Die Tatort-Abende gibt es bestimmt weiterhin nebenan.

Wie hast Du den 31. Oktober 2017 verbracht?
Maike Fiedelak: Mein Team und ich haben nachmittags wie sonst auch das Café geöffnet. Irgendwann merkten wir, dass viele Menschen auf der Straße standen, die gerne zum öffentlichen Gottesdienstes gegangen wären. Aufgrund der begrenzten Plätze wurden sie nicht mehr eingelassen. Daher haben wir ihnen spontan angeboten, gemeinsam den Gottesdienst auf unserem Fernseher zu schauen. Schnell war das nebenan richtig voll – eine gute Entscheidung würde ich sagen.

Maike Fiedelak (r.) mit ihren Bufdis Marie und Adela.

Mit dem Reformationstag ist das Lutherjahr nun offiziell beendet. Hast Du das Gefühl, die Menschen um Dich sind erleichtert – weil „satt“ – oder eher traurig? Wie geht es Dir selbst damit?
Ich habe von ein paar Leuten wahrgenommen, dass sie traurig waren dass jetzt alles vorbei ist, und dass es ein komisches Gefühl war, als in Wittenberg alles wieder abgebaut wurde. Man hatte sich daran gewöhnt. Ich merke, dass es wieder ruhiger im Stadtbild geworden ist. Das finde ich ehrlich gesagt auch etwas traurig. Für mich persönlich muss ich sagen: Es war perfekt. Dadurch, dass wir ganz neu gestartet sind, ich selbst neu war und sich alles erst finden musste, war es meines Erachtens genau die richtige Spanne.

Was hat das nebenan in Wittenberg verändert?
Verändert hat sich für die Stadt an sich nicht viel, eine Veränderung bemerke ich jedoch an einzelnen Personen, Menschen, die zuvor wenig soziale Kontakte hatten und sich nun zugehörig fühlen. Dass das nebenan auch zukünftig das Stadtbild prägen kann und sich weiter etabliert, gehört zu meinen Aufgaben 2018.

Wie geht es genau weiter?
Momentan versuchen wir uns ein Stück weit neu zu erfinden. Wir können jetzt auf Erfahrungen zurückschauen, die wir vorher nicht hatten, und sehen an einigen Stellen Differenzen zwischen Konzeptidee und Umsetzung. Daran werden wir arbeiten.

Kannst Du ein oder zwei Beispiele nennen?
Die Ideen, Jugendstadtführungen und Seminare zu reformatorischen Themen anzubieten, ließen sich beide nicht umsetzen. Erstere, weil sich die Kooperationspartner gegen das Projekt entschieden. Zweitere, weil die Gruppen, die Wittenberg besuchten, schon so mit Angeboten vollgepumpt waren, dass keine Zeit mehr war. Sie haben sich bei uns meist nur aufgewärmt, ausgeruht und das Café als Treffpunkt genutzt.

Was würdest Du Dir wünschen, dass die Gesellschaft an Veränderungspotential aus 2017 erhält und fortführt?
Das Reformationsjubiläum war ein Fest, das vereinte. Unterschiedliche Formen des christlichen Glaubens sind nicht nur ein Zeichen der Differenz, sondern der Vielfalt der christlichen Landschaft. Und diese Vielfalt der Ausdrucksformen ist für mich Schönheit!

Die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend (aej) fordert, den 31. Oktober als bundesweiten Feiertag beizubehalten. Was denkst Du darüber?
Ich bin mir nicht sicher, ob ein dauerhafter Feiertag auch zur Folge hätte, dass die Bedeutung des Reformationsfests zur Geltung kommt. Ich muss gestehen, da bin ich eher skeptisch. Weil bei vielen Menschen auch alle anderen christlichen Feiertage zunehmend sinnentleerter werden.

Fotos: Privat

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