Simpel ist anders

Ein normales Leben führen zu können, die meisten Menschen machen sich darüber keine Gedanken. Sie tun es. Sie haben es. Sie brauchen sich nicht in die Lage eines Menschen mit Behinderung oder in dessen Familie hineinzuversetzen. Das Thema Inklusion ist dennoch Bestandteil guter Filme geworden, „Ziemlich beste Freunde“, „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ – oder „Simpel“, nach dem preisgkrönten Jugendbuch der Französin Marie-Aude Murail. „Simpel” ist der Spitzname von Barnabas, 22 Jahre alt. Simpel ist geistig behindert. Er spricht seine eigene Sprache, kann Gefahren schlecht einschätzen und geht keinen Schritt ohne sein Stofftier „Monsieur Hasehase“. Simpel ist darauf angewiesen, dass sich sein Bruder um ihn kümmert. Das klappt, bis ihre Mutter stirbt und Simpel ins Heim soll. Die Söhne hauen ab. Simpel nennt es: „Eine Verreisung machen.” Simpel-Darsteller David Kross (27) erzählt, was er durch seine bisher schwierigste Rolle gelernt hat.

Simpel ist anders – er ist geistig behindert. War das die schwierigste Rolle, die Du hattest?

David Kross: Ja, das war bis jetzt vielleicht die Rolle, vor der ich den meisten Respekt hatte. Allerdings habe ich den Charakter von Simpel auch besonders gern.

Simpel ist auch ein anderes Wort für Tollpatsch. Wo hast Du Dich zuletzt tollpatschig angestellt?

David Kross: Wenn ich mal unkonzentriert bin und mit meinen Gedanken beschäftigt, kann es schon sein, dass ich irgendwo dagegen laufe.

Simpel fällt durch sein Verhalten auf und bringt sich und seinen Bruder Ben in peinliche Situationen, wenn anderen Menschen seine Behinderung nicht sofort auffällt. Hast Du etwas Vergleichbares erlebt, zum Beispiel während des Filmdrehs in Hamburg?

David Kross: Ich kenne zwar Menschen, die geistig behindert sind, und hatte Begegnungen mit ihnen, aber nie so wie Ben die Verantwortung für jemanden zu sorgen oder zu entscheiden. Beim Dreh waren wir sehr konzentriert in der Geschichte, da habe ich gar nicht so doll beobachten können, wie die Menschen auf Simpel reagieren. Simpel denkt ja auch nicht darüber nach, wie er auf andere wirkt.

Du hast zur Vorbereitung auf Deine Rolle viel Zeit in einem Wohnheim für behinderte Menschen verbracht. Was hat Dich am meisten beeindruckt?

David Kross: Meistens haben die Begegnungen etwas sehr Ehrliches. Die Menschen mögen dich oder auch nicht, dann zeigen sie das auch so. Auch wenn sie Angst haben oder etwas langweilig finden.

Simpel ist anders, weil er behindert ist. Aber so direkt wie er Dinge äußert, ist es auch schön unverfälscht. Was hast Du durch die Rolle gelernt?

David Kross: Ich glaube, ich habe viel über mich gelernt. Wie Menschen sich gegenseitig berühren können oder für einander da sein. Die Menschen, die ich getroffen habe, strahlen eine unglaubliche Liebe zu anderen aus und ich habe gemerkt wie sehr das die anderen beeinflusst. Desto mehr Liebe man ausstrahlt, desto mehr bekommt man zurück. Simpel handelt sehr nach seinen Gefühlen, er fühlt was jetzt das Richtige für ihn ist. Er läuft weg, wenn er Angst hat. Er würde aber auch einfach jemanden in den Arm nehmen. Meistens denkt man ja selber nochmal kurz nach, ob das jetzt überhaupt geht.

Macht Anderssein glücklich?

David Kross: Man sollte sich trauen, so zu sein, dass es sich gut anfühlt. Mut gehört natürlich dazu, weil die anderen es ja doof finden könnten. Vielleicht vergessen wir manchmal einfach nur, was uns richtig glücklich macht. Ich jedenfalls bin deutlich glücklicher, wenn ich mich ehrlich zeigen kann.

Der Film startet am 9. November in den Kinos.
Das Buch zum Film ist im S.Fischer-Verlag erschienen (ab 14 Jahre).

Fotos: Universum-Film 

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