„Nicht jeder wie er möchte“

Normalerweise ist Lennart Schuchaert schnell zu begeistern. Mit der Rehformation tat er sich zunächst schwer. Das knallige Motiv der evangelischen Jugend Bremen zeigt vier Rehe, die sich akrobatisch mächtig für die variierte Lesart ins Zeug legen. Ausgerechnet ihr Hauptamtlicher las sie mit Stirnrunzeln: „Kapiert man das?“ fragte er. Doch, das kapiert man! Vier Tiere und Bremen gehen gut zusammen, davon ließ sich auch Lennart Schuchaert überzeugen. Und er legt nach.

Die Hanseaten wollen die ersten sein, die den Reformationstag 2017 feiern. Deshalb beginnt ihre Party samt Reformation-Song-Contest bereits am Vorabend und gipfelt in einem Mitternachtsgottesdienst am 31. Oktober um 0.01 Uhr. „Schließlich ist am darauffolgenden, bundesweit erstmals einheitlichen Feiertag, Ausschlafen angesagt. So ählich wie an Silvester und Neujahr“, vergleicht Lennart, der bei den Jugendlichen kurz „Lenny“ heißt, und mit 25 Jahren auch altersmäßig nahe genug an ihnen dran ist, sie würdig zu vertreten. Samt Reh-Formation. „Der Studienabbrecher Martin Luther und sein Mut, Dinge verändern zu können“, sind Lenny sympathisch. Kurswechsel hat auch er schon hinter sich, den in die kirchliche Jugendarbeit zum Beispiel. Ursprünglich gelernt hat Lennart Schuchaert Erzieher.

„Es ist anspruchsvoll, sich ständig Neues auszudenken. Genau das erwartet man aber von der Jugendarbeit, und am besten soll ein Projekt sofort durch die Decke gehen“, beschreibt er die Anforderungen, die das Reformationsjahr bisweilen noch hochgeschraubt hätte. „Das entspricht nur in keinster Weise dem Prinzip der Reformation, sondern unserem Alltag. Unsere Gesellschaft ist schnellebig. Ich finde es hilfreich, wenn man sich nicht gleich von Bewährten verabschiedet.“

„Veränderungen brauchen Zeit und kosten Kraft. Man muss den Mut aufbringen, eine Idee durch Höhen und Tiefen zu verfolgen. Doch die Realität sieht eher so aus, dass ein Projekt fallengelassen wird, wenn es nicht sofort die gewünschte Resonanz bringt.“

Das Refo-Event der Bremer geht einen Kompromiss ein, indem 500 Jahre Reformation an eine etablierte Veranstaltung andocken, den „Ball der Stars“, der alle zwei Jahre für die in der evangelischen Kirche engagierten Ehrenamtler stattfindet – und auch 2019 wieder stattfinden wird. „Das Format steht und fällt nicht mit dem Lutherjahr. Es gibt ein Leben nach Luther“, sagt Lennart Schuchaert, „und darauf freue ich mich. Obwohl die dynamische gesellschaftliche Wirkung, die Reformation hatte, erst nach 1517 einsetzte. So gesehen ist es kontraproduktiv, sich schon wieder auszuklinken.“

Doch wie die Aufmerksamkeit dosieren? Lenny schlägt vor, „Strukturen zu beherzigen. Netzwerke zu nutzen, die es schon gibt, und nicht das Rad neu zu erfinden, sondern es in Bewegung zu halten.“ Luther? Zur Verstärkung willkommen.

„Verbindlichkeit schließt gestalterische Freiheit nicht aus. So definiere ich Reformation, und das heißt für mich Evangelisch sein. Nicht jeder wie er möchte, sondern mit Plan. Sonst verzettelt man sich und ist frustriert.“

Verbindlichkeit komme bei Jugendlichen gut an, weiß er aus eigener Erfahrung: „Bis zur Konfirmation hatte ich mit Kirche nichts am Hut. Konfirmieren ließ ich mich, weil man das halt so machte. Wie das alle gemacht haben. Dann fragte der Pfarrer, ob ich einen Gottesdienste mit der Gitarre oder am Klavier begleiten würde. Und den nächsten, den übernächsten – das hielt mich. Ich bin nicht die Nachricht, aber ich mache was draus.“

Fotos: Privat / Ev. Jugend Bremen

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