Vom Flechten über das Flüchten

Schwanenteich heißt ein kleiner See am nördlichen Rand der Wittenberger Altstadt. Statt Schwänen begegneten Besucher während der vergangenen Wochen dort geflochtenen Booten aus Holzfasern, von denen sich einige kaum über Wasser hielten. Gewollt, die Installation verwies auf das Schicksal – übers Wasser – flüchtender Menschen. Und darauf, dass alles Leben miteinander verwoben ist.

In einem Pavillon stehen Weidenhocker, stabil, ganz ohne Schrauben. Der zugehörige Tisch besteht aus Holzresten, eine Metallspange hält sie zusammen. Die Wände der Hütte sind mit Rinde gedämmt oder mit Pflanzenfasern vertäfelt, einige mit Reformationsmotiven verziert: Ganz klassisch der Lutherrose, ganz modern dem Reformator im Trabi. Ein ungewöhnlicher Anblick. Die Ideen haben Studierende und Absolventen der FH Salzburg eingebracht. Sie erklären Besuchern auch, welche Rohstoffe zum Einsatz kamen. Eine von ihnen ist Anja Labner. Das Reformationsjubiläum rückte so in den Fokus der 22-Jährigen, die sich zuvor kaum mit Luther und Co. beschäftigte, „auch, weil Österreich ein überwiegend katholisches Land ist“.

Die Reformation vor 500 Jahren zeigte Zustände auf, die Missstände geworden waren, und die so nicht bleiben konnten. So ähnlich war unser Projekt gemeint, wir wollten einerseits verdeutlichen, dass die ungerechte Verteilung der Ressourcen auf der Welt so nicht mehr weitergehen kann. Andererseits zeigten wir, dass es bereits Lösungen, Innovationen und Möglichkeiten gibt, eine „Reformation“ im Sinne der Ressourcenschonung zu starten. Wenn ich jetzt Werte im Bezug auf meine Heimat definiere, würde ich sagen, dass in Österreich das Bewusstsein für Umweltschutz eine sehr große Rolle spielt. Für mich persönlich kann ich sagen, dass meine Werte sich auf Toleranz und Respekt für Menschen und jegliche Art von Lebewesen, auch der Umwelt und Tiere beziehen.

„Ich würde mir wünschen, dass wir offener und toleranter an andere herantreten. Indem man fremde Menschen und deren Werte einfach kennenlernt und sich mit Menschen anderer Herkunft auseinandersetzt. Der Gedanke, dass Flüchtlinge auch nur Menschen sind, jedoch auf ihr Schicksal – die Flucht – reduziert und dann nicht mehr als Menschen gesehen werden, gehört aufgelöst.“

„Am meisten begeistert hat die Besucher das echte Heu, der Lavendel, die Hocker und der Tisch im Infopavillon. Ein schönes Zitat, das bei mir hängenblieb, war: „Möge die jugendliche Kreativität auf ewig erhalten bleiben!“

In Salzburg gibt es viele engagierte Leute für Flüchtlinge. Gerade 2015 waren sehr viele Freiwillige beteiligt, Flüchtlinge zu unterstützen. Doch auch danach kann man sagen, gab es viel Unterstützung der Bevölkerung. Ein Beispiel dafür ist, dass eine Studienkollegin von mir mit anderen engagierten Studierenden eine Plattform für die Integration von Flüchtlingen gegründet hat: ZIAG (Zusammen ist alles Gemeinsam)  finde ich ein tolles Beispiel für so eine Verflechtung.

Die Idee von ZIAG ist, Ideen und Erfahrungen der Mitglieder aus der ehrenamtlichen Arbeit mit Geflüchteten als Wissenstransfer an Kommunen weiterzugeben, die mit den Best-Practice-Beispielen arbeiten. Daraus entstand ein Handbuch für Bürgermeister*innen.

Fotos: Martin Jehnichen/r2017 (2), privat (2), ziag.at (1)

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