Bastis R(o)adtrip

„Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Zitat Martin Luther – obwohl nicht erwiesen ist, dass er den Satz wirklich genau so gesagt hat. Dafür ist seine Achtung vor der Natur dokumentiert. Das verbindet ihn mit Sebastian Gutmann. Der hört den Luther-Spruch zum ersten Mal. Dabei hat er ähnliches im Sinn, nur ohne Verweis auf die Apokalypse. Und: Die Geschichte handelt von mehr als einem Baum.

Seine Fremdsprachenkenntnisse hat Sebastian Gutmann schnell beisammen. „Nach der Reise kann ich gescheites Englisch. Hab ich zumindest vor.“ Bis dahin lächelt er Zweifel über Sprachbarrieren im Ausland professionell weggelächelt und setzt Hände und Füße bei der Verständigung ein. Hat er zumindest vor. Wenn sich Sebastian „Basti“ Gutmann am 11. Juni auf sein selbstgebautes Bambusfahrrad schwingt, hat er noch den Vorteil seiner Muttersprache.

Bastis R(o)adtrip startet in seiner Wahlheimat München. In zwei Jahren will er 24 Länder durchqueren, eine Strecke von 40.000 Kilometern bewältigen. Das entspricht der Länge des Äquators. Einmal um die Welt. Wozu? „Ich will, dass sich was bewegt“, begründet der 25-Jährige, und „weil ich die Erfahrung machen durfte, dass es Menschen gibt, die mir die Reise zutrauen. Vertrauen motiviert unglaublich.“

In jedem Land, das „am Weg liegt“, will er Menschen für gutes Klima mobilisieren. „Ich möchte erreichen, dass sie Bäume pflanzen. Je mehr, desto bessser.“ Ähnlich wie ein Geselle auf der Walz wird Basti in Baumschulen oder Gärtnereien vorsprechen und um landestypische Setzlinge bitten. In welcher „Sprache“ auch immer. Er hofft zudem auf Rückhalt durch Baumpaten, die seinem Reiseblog folgen und durch eine Spende beim Pflanzen helfen.

Sebastian Gutmann hat keinen grünen Beruf, aber eine umweltbewusste Lebensweise. Er ernährt sich vegan. Er ist auf einem Hof im Schwarzwald aufgewachsen. Er hat mit Freunden ein Startup gegründet, das Designermöbel in Handarbeit regional produziert. Zuvor war er kaufmännischer Angesteller bei einem Sportartikelhersteller.

„Ich stehe hinter jeder meiner Entscheidungen, obwohl immer ein Quäntchen gefehlt hat. Ich schätze, ich komme nicht drumrum, eine Sache zu 100 Prozent selbst durchzuziehen. Erst dann bin ich zufrieden.“

Basti hat gelernt, skeptische Stimmen im Freundeskreis und in der Familie auszuhalten, wenn es um die (Ab-)Reise geht. Die Route führt ihn durch Länder wie den Iran, Pakistan und Bangladesh. Sicherheit, Hygiene, Kommunikation, alles Stichworte, die ihm fragend gestellt werden. Dass er die Familie zuerst am Telefon in sein Vorhaben einweihte und damit prompt Sorgen hochkochte, bedauert der Sohn rückblickend. Dass er den Trip macht, nicht. Basti sagt: „Ich versuche, mich so gut wie möglich vorzubereiten. Bis nach Singapur habe ich meine Route geplant, das war schon wegen der Visa erforderlich.“ Einen zweiten Reisepass hat er beantragen müssen, um alle Visa der Reihenfolge nach bewilligt zu kriegen.

Auch wenn er die Reise gut vermarktet und von Sponsoren unterstützt wird, der Öko-Roadtrip „Ride for the planet“, Abenteuer trifft Nachhaltigkeit, hat für Sebastian Gutmann einen ernsten persönlichen Hintergrund. Vor ein paar Jahren verlor er bei einem Unfall fast die linke Hand. „14 Operationen in zwölf Monaten waren nötig, sie zu retten“, erinnert sich der nachdenklich gewordene Badener. Die Narben auf seinem Arm sind nicht zu übersehen.

„Zum ersten Mal habe ich mich damals gefragt, ob Arbeit alles ist und die einzige Möglichkeit, im Leben etwas zu bewegen? Nein.“

Zu Bastis Ausrüstung gehört ein Zelt. Darin will er überwiegend schlafen, ergänzend  Netzwerke wie die weltweite Radfahrer-Plattform „Warm Showers“ nutzen. „Ich hoffe, ich finde unterwegs eine gute Mitte zwischen Planung und Spontanität.“ Das gilt auch für die Zeit nach seiner Rückkehr. Die ist geplant.

Fotos: Privat

 

 

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