Jedes Schaf zählt

In Fellbach bei Stuttgart kommt Reformation zum Tragen. Der kleine Weltladen gegenüber des U-Bahnhofs „Lutherkirche“ verkauft T-Shirts mit den Sprüchen „Jeder anders. Jeder willkommen.“ oder „Alle gleich ist doch langweilig!“ Darüber steht eine bunte Truppe aus Kindern und Erwachsenen, Brillen- und Schlipsträgern, Punks, Doktoren, Einheimischen, Zuwanderern. Aber: Die Zeichnung zeigt keine Menschen, sondern Schafe. Das Motiv stammt von Alina Wimmer, die in Fellbach aufgewachsen ist und mit dem T-Shirt für gesellschaftliche Vielfalt und Integration plädiert. Mit Schafen, die zählen. Und anziehen.
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Bisher gibt es die T-Shirts ausschließlich für Kinder. Vielleicht, hofft Alina, ändert sich das im Zuge des Reformationsjahres, das Anlass gibt, über unsere gesellschaftliche Identität nachzudenken. So wie Alina nachdachte, als sie 2015 ein Plakat des Ideenwettbewerbs „Kirche macht was“ der Evangelischen Landeskirche in Württemberg entdeckte. Thema: „Der Herr ist mein Hirte. Bin ich ein Schaf?“ Alinas Antwort darauf wurde ausgezeichnet.
„Zeichnen ist mein Hobby, es entspannt mich“, sagt die Studentin. Ein niedliches Tiermotiv umzusetzen, gelang ihr schnell. Doch auch die Botschaft sollte stimmig sein. „Es ging ja darum, etwas in der Gesellschaft zu verändern.“ Vom Schreibtisch verlegte die heute 28-jährige angehende Computerlinguistin das Brainstorming in den Park und nahm ihren Freund gleich mit, um ihre Gedanken „an den Mann“ bringen zu können. Die Stichworte Toleranz und Vielfalt fielen, erinnert sich Alina. Dass sie das Wettbewerbs-Motto wörtlich nehmen und ein Schaf zeichnen würde, wusste sie. Den Rest ergab der Spaziergang durch den Kurpark von Stuttgart-Bad Cannstatt, sinnigerweise der multikulturellste Stadtteil der baden-württembergischen Landeshauptstadt: Jeder anders. Jeder willkommen.
Alina vergleicht:
„Meine Schafe sind unterschiedliche Typen. So wie es bei den Menschen Typen gibt. Egal, welche Haut- oder Haarfarbe wir haben oder welche Sprachen wir sprechen – wir sind Menschen. Wir stärken unsere Gesellschaft, indem wir zusammenstehen und niemanden ausgrenzen. Die Unterschiede machen uns aus. Jeder kann sich einbringen, gemeinsam erreichen wir mehr.“
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„Es war ein merkwürdiges Gefühl, das T-Shirt-Motiv zum ersten Mal an einer Person und dann im Laden zu sehen“, erzählt Alina, „es ist das erste Bild von mir, das öffentlich wurde, obwohl ich schon seit meiner Schulzeit zeichne.“ Bald darauf überwog aber die Freude an dem gelungenen Beitrag. Damit die Botschaft des Motivs nicht nur nachhaltig wirkt, sondern nachhaltig ist, sind die T-Shirts aus Biobaumwolle zu haben. Jetzt müssen sie (sich) nur noch bewegen. Eine Richtung hat der Weltladen Fellbach schon eingeschlagen: Mit dem Verkauf der Shirts finanziert er Bildungsangebote für Kinder in Bangladesh.
Fotos: ELK (3)/ privat / flickr

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