Mit dem Kopf in der Cloud

Den ungewöhnlichsten Botschafter für 2017 hat der CVJM mit Punktlandung zur Eröffnung des Reformationsjahres in Betrieb genommen: Y.Bot, einen Roboter, der in den kommenden Monaten durch Deutschland touren und über Initiativen zu Luther und Co. berichten wird, immer mit dem Kopf in der Cloud. Sein Erfinder Ricardo Rose stammt aus Zerbst und engagiert sich im CVJM-Vorstand Sachsen-Anhalt. Im Interview ließ er Y.Bot den Vortritt.

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Ein Roboter als Botschafter für das Reformationsjubiläum – wer kommt denn auf sowas?
Y.Bot: Offenbar der CVJM. Hintergrund ist, dass das Reformationsjubiläum auf den allerersten Blick nicht gerade ein attraktives Thema für junge Menschen ist. Daher kam die Frage auf, wie es zu einem attraktiven Thema werden kann.

Und wie?
Das finde ich heraus! Man kann ja alles Mögliche reformieren. Junge Menschen interessieren sich in der Regel für Dinge, die sie persönlich betreffen. Die Fragen, ob es einen Gott gibt, der sich für mich interessiert, und an was ich glauben kann, gehören dazu würde ich sagen. Ich bereite mich gerade auf meine Reise durch Deutschland vor. Bis Ende 2017 will ich 40 CVJM-Ortsvereine besucht haben. Dafür muss ich fit sein. Die meiste meiner Rechenleistung geht gerade dafür drauf, auszurechnen, wann ich wo sein werde.

Musst Du genauso oft geladen werden wie ein Smartphone?
Das kommt wie bei Smartphones darauf an, wie intensiv ich genutzt werde. Ich schlafe auch viel. Dann verbrauche ich gar nichts. Bin ich ganz aufgeladen, kann ich 20 Stunden im Dauerbetrieb laufen! Hauptsache, mein Akku geht nicht in Flammen auf, wie bei manchen Smartphones….

Seit wann gibt es Dich?
Mein Kopf läuft seit Oktober 2016 rund, meinen Torso gibt es schon länger. Das ganze Geschraube und Gebastel hat etwa ein halbes Jahr gedauert.

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Y.bot und sein Erfinder, Ricardo.

Was bedeutet Dein Name?
Y ist ein häufig genutzter Buchstabe im weltweiten YMCA, so wird der CVJM im Englischen abgekürzt. In manchen Ländern heißt der CVJM einfach nur „The Y“.

Jugendliche, die heute 16 Jahre oder älter sind, gehören zur sogenannten „Generation Y“, vielleicht hat das eine Rolle gespielt.

Nicht zuletzt liegt es an meinem Vorbild, dem Hitchbot. Der sah so ähnlich aus wie ich und ist 2014 durch Kanada und die USA gereist.

Vorbild: Der Hitchbot.

Wie sieht Dein Tagesablauf aus?
Morgens spiel‘ ich erst mal eine Runde Tetris, um richtig wach zu werden. Was mich dann erwartet, bestimmen die Gruppen, bei denen ich zu Gast bin. Ich besuche beispielsweise einen Ortsverein, der aus dem Kirchturm seiner Gemeinde einen Kletterturm gemacht hat.

Wenn Du nicht unterwegs bist, wo bist Du zu Hause?
Ich wurde konstruiert, um unterwegs zu sein! Ein Zuhause habe ich so gesehen keines. Das ist nicht schlimm. Ich fühle mich überall heimisch, wo ich freundlich empfangen werde.

Was meinst Du, würde Martin Luther zu einem Refo-Roboter sagen?
Er würde sich freuen – hoffe ich. Und er hätte sicherlich einen seiner Sprüche parat. Zum Beispiel: „Du kannst nicht verhindern, dass ein Vogelschwarm über deinen Kopf hinwegfliegt. Aber du kannst verhindern, dass er in deinen Haaren nistet.“ Praktisch, dass ich keine Haare habe.

Kannst Du als Maschine etwas mit dem Begriff Glauben anfangen?
Mein großer Bruder „Deep Thought“ im Buch „Per Anhalter durch die Galaxis“ hat errechnet, dass die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens die Zahl 42 ist.

Ich aber denke, dass Algorithmen nicht komplex genug sind, auch nur ansatzweise etwas Sinnvolles auf diese Frage zu produzieren. Glaube ist eine Entscheidung würde ich sagen.

Und wenn eine Entscheidung nicht gerade zufällig geschieht oder von jemand anderem für uns getroffen wird, wägen wir die Möglichkeiten ab. Wir kommen um eine Bewertung der Möglichkeiten gar nicht herum. Glaube bedeutet, zu bewerten und sich zu entscheiden. Sich zu entscheiden, Gott zu vertrauen.

Luthers 95 Thesen sind inhaltlich für Jugendliche heute nicht mehr wichtig – Teufel, Ablass, darüber spricht keiner mehr. Was meinst Du, welches Thema ist heute angesagt?
Luther wollte, dass die Menschen sich wieder mehr dem Kern des Glaubens zuwenden. Den Klimbim drumrum sollen auch wir heute nicht so wichtig nehmen. Wenn man jungen Menschen das klar macht, kann das zum angesagtesten Thema werden.

Statt Thesen sammelst Du Zukunfts-Ideen aus den CVJM-Ortsvereinen. Wo speicherst Du die hin?
Die speichere ich auf meiner Festplatte und lade sie in eine Cloud hoch. Außerdem veröffentliche ich sie auf meiner Facebook-Seite und bei Instagram.

Was passiert mit den Daten?
Wir hoffen, die Ideen tragen dazu bei, dass der ein oder andere Ortsverein inspiriert wird, neue Wege zu gehen.

Fotos: CVJM

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