Stationen einer Weltreise: So wirkt „Hier steh ich – und wo stehst du?“

Lyauvika Nashuuta findet Martin Luther sympathisch, „weil er sich nicht eingeschleimt hat“, sondern der aus den Fugen geratenen Institution Kirche die Stirn bot. 500 Jahre später sagt die 28-jährige Namibierin über den Wert der Reformation, dass sie Menschen beigebracht habe, Strukturen umzuwandeln und Werte zu schaffen. Das sei ihr Auftrag an jede junge Generation. Lyauvika setzt ihn in Afrika um, wo ihr die eigene Radiosendung hilft, große Distanzen zu überbrücken, und über Themen wie Aids zu sprechen. Vera interpretiert ihren Auftrag als ehrenamtliches Engagement. Sie lebt in Russland, wo „nicht einmal jeder weiß, dass Protestanten Christen sind“, sagt die Lehrerin aus Smolensk. Da hat es der angehende Pfarrer Benedikt aus Tübingen leichter, so dass er – schon einen Schritt weiter als Luther – überlegen kann, wie der interkulturelle Dialog in seinem Land geführt werden kann. Andreas aus Norwegen wäre sein erster interessierter Zuhörer. Er hat sich in Oslo ein vergleichbares Ziel formuliert.

Bei Anna und Julia, zwei Elftklässkerinnen, weckt der Alltag junger Menschen weltweit das Interesse, „sich mit der Reformation näher zu befassen, und die eigene Meinung mit den Aussagen der Porträtierten zu vergleichen“. Inspiriert werden die Besucher der Wanderausstellung „Hier steh ich – und wo stehst du?“, nachdem sie sich mit den Texten über Lyauvika, Vera, Benedikt, Andreas und acht weiteren 18- bis 29-Jährigen befasst haben, die ihre Sicht auf das Reformationsjubiläum schildern und berichten, wie – und ob – Glaube Einfluss auf ihr Leben nimmt. Luthers Erbe begreifen sie als einendes Band, das Menschen und Nationen zusammenhalten sollte, statt sie zu trennen.

„Reformation kann wirklich fetzen, weil mit ihr der Umbruch immer wieder in andere Zeiten übertragen wird“,

urteilte Kai Lehmann, Direktor des Museums Schloss Wilhelmsburg in Schmalkalden, der die Ausstellung in der städtischen Heinrich-Heine-Bibliothek besuchte. Für die Schmalkaldener war die Schau sowohl ein reizvoller Ausblick auf das Jahr 2017, als auch eine „sehr persönliche Begegnung mit dem Thema Reformation“, formulierte es Susann Aderhold. Bürgermeister Thomas Kaminski sah es ähnlich, ihn beeindruckte, „dass die Meinungen der jungen Leute unterschiedliche Perspektiven auf den Glauben sichtbar werden lassen“. Die meiste Nachwirkung hatte bei ihm die Aussage der Südamerikanerin Barbara Dundas: „Religion darf nicht zwischen den Menschen stehen.“ Was 1517 zutraf, gilt 2016/17 noch immer.

Die Tageszeitung Freies Wort hat über die Ausstellung berichtet und PNJ-Kollegin Frances Teuchert einig Eindrücke auf Fotos festgehalten.

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