Persönliche Bezüge zu fundamentalem Thema

Am ersten Tag des Lutheschulentreffens habe ich mir den Workshop „Fundamentalismus“ angesehen und eine Teilnehmerin interviewt. Mich hat nun auch die Perspektive der Teamleiter interessiert. Deshalb habe ich mich mit Matthias Kasparick unterhalten, einem der beiden Teamer. Er stammt aus Berlin und ist zum zweiten Mal bei einem Lutherschulentreffen dabei.

Matthias KasparickAuf die Frage, weshalb er der Meinung ist, dass sich junge Menschen mit dem Thema Fundamentalismus auseinandersetzen sollten, erzählt er mir, dass es dafür zwei wesentliche Gründe gibt. „Zum einen geht es um das Anliegen, sich mit religiösen Themen auseinanderzusetzen. Zum anderen ist Fundamentalismus ein sehr aktuelles Thema, welches – auch in Bezug auf den Terrorismus – jeden angeht.“

Die Grundfrage, die sich bisher durch den gesamten Workshop gezogen hat, lautet: „Wie weit bin ich bereit für meine Ideale zu gehen?“. Dafür ist der Fundamentalismus ein starkes Beispiel, da er aussagt: Ich bin bereit, mich für meine Werte über das Gesetz zu stellen und über Leichen zu gehen. Heute haben sich die Teilnehmer unter diesem Gesichtspunkt zentrale Personen aus der Geschichte angesehen: Gandhi, Hitler, Jesus. Sie sprachen darüber, wie weit diese für ihre Überzeugungen gegangen sind.

WS_FundamentalismusDer Workshop versucht, auf die Interessen und die Persönlichkeiten der Schüler einzugehen. Erlebnisse und Erfahrungen lenken meist das Gespräch. „Es gibt natürlich Schüler, die aktiver sind und andere, die sich eher zurückhalten“, sagt Matthias, „doch das kommt ganz auf das Thema an.“ Er merkt sofort, wenn man einen Nerv getroffen hat, bei dem die Leute aufwachen und ihren Standpunkt vertreten wollen. „Es herrscht eine sehr angenehme Arbeitsatmosphäre.“ Er glaubt nicht, dass sich jemand ausgeschlossen fühlt. Eine ganz besondere Erfahrung war für Matthias, dass für die Schüler nicht entscheidend war, aus welcher Schule die anderen Teilnehmer kommen, in welcher Jahrgangsstufe sie sind oder in welchem Bundesland sie leben. Alle haben gemeinsam das Thema erforscht.

Matthias ist Mitglied bei dem bundesweiten Projekt „DenkWege zu Luther“. Dieses fördert die außerschulische Jugendbildung durch fächerübergreifende Projektwochen. Dadurch hat er schon häufiger Workshops geleitet und auch dieses Seminar in ähnlicher Form bereits gemacht. Matthias betont aber: „Weil sich so viel über das Gespräch und über das Interesse der Schüler entwickelt, nehmen die Seminare trotzdem jedes Mal einen unterschiedlichen Verlauf. Man hat deshalb nur ein Gerüst oder eine Idee, an der man sich langhangeln kann. Es ist keine Kassette, die man einfach einlegt und abspult.“

Und auch bei diesem Seminar gab es keinen Kabelsalat, wie ich erfahren konnte. Sowohl für die Teilnehmer als auch Teamleiter, Matthias und seinen Kollegen Sebastian Jerate, standen am Ende viele neue Erfahrungen. Vor allem durch die positive Atmosphäre und die interessanten Denkanstöße war es ein gelungenes Projekt.

Text: Laura Gieß, Fotos: Robert Filgner, Daniel Hofmann

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